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Pfarrkirche St. Bonifatius Frankfurt – Sachsenhausen

Pfarrkirche · Frankfurt-Sachsenhausen

Pfarrkirche St. Bonifatius

Backsteinexpressionismus von Martin Weber, geweiht 1927 – seit 2005 auch Heimstatt der Jugendkirche JONA.

Willkommen in St. Bonifatius!

Die Pfarrkirche St. Bonifatius in Frankfurt-Sachsenhausen ist nicht nur ein Ort des Gebets, sondern auch ein Zentrum der Gemeinschaft und kulturellen Begegnung. Geprägt durch ihre beeindruckende Architektur im Backsteinexpressionismus bietet sie seit ihrer Weihe 1927 einen besonderen Raum für inspirierende Gottesdienste, Familienangebote, Jugendaktivitäten und kulturelle Veranstaltungen.

Die Kirche in Zahlen

1927
Weihe der Kirche
(7. August)
1925
Architekturwettbewerb
Martin Weber gewinnt
6
Eckiger Chorturm
charakteristisch
2005
Heimstatt der
Jugendkirche JONA

Geschichte & Architektur

Acht Themen, die die Pfarrkirche St. Bonifatius einzigartig machen.

Die St.-Bonifatius-Kirche
St. Bonifatius von oben

Als 1926 die Arbeiten begannen, erschien die moderne Bauweise von St. Bonifatius manchem Zeitgenossen als Sakrileg. Durfte eine Kirche wirklich in Eisenbeton ausgeführt und mit Klinker verblendet werden? Schon bald zeigte sich: Ja! Gerade diese scheinbar profanen Baustoffe ermöglichten Martin Weber eine Rauminszenierung, die St. Bonifatius eine einzigartige Würde und dem Architekten eine überregionale Bekanntheit verlieh.

St. Bonifatius war Webers erste große Kirche in Frankfurt und bildete den Auftakt zu zahlreichen ähnlichen Projekten in der Stadt des Neuen Bauens. Mit ihrer expressiven Formensprache und dem charakteristischen sechseckigen Chorturm ist die Bonifatiuskirche bis heute ein Hingucker.

Grundriss

St. Bonifatius erhebt sich im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen auf einem längsrechteckigen Grundriss, der sich – dem Verlauf der Thorwaldsenstraße folgend – von Osten nach Westen erstreckt. Der Baukörper ist in eine Ober- und Unterkirche unterteilt. Der für Gemeindegottesdienste konzipierte Hauptsaal läuft auf einen zentralen Chor im Westen zu. Dieser schneidet den Turm auf sechseckigem Grundriss so an, dass vier der Turmseiten gleichzeitig den Chorabschluss bilden.

Unter dem Chorraum findet sich eine Kapelle, die zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet wurde. Im Süden schließt sich das Pfarr- und Gemeindehaus auf winkelförmigem Grundriss an die Fassade an.

Außenbau

Die in Eisenbeton ausgeführte Kirche ist nach außen mit rotem Klinker verblendet. Zwischen zwei massiven quaderförmigen Treppenhäusern springt im Osten das von einem Staffelgiebel überragte Hauptportal zurück, dem wiederum eine großzügige Freitreppe vorgelagert ist.

An der gegenüberliegenden Westseite des Baus erhebt sich der Turm mit seiner zifferlosen Uhr. Die lanzettförmigen Fenster der Kirche und die Schallöffnungen des Turms sind jeweils mit einem Dreiecksabschluss versehen und betonen so die Aufwärtsbewegung des Baus: Diese beginnt am Fuß der Freitreppe und gipfelt im steinernen Kreuz auf der Turmspitze.

Innenraum
Innenraum von St. Bonifatius mit Spitzbögen und Chorraum

Die in Eisenbeton ausgeführte Halle ist von gewölbten Spitzbögen geprägt, die auf Fußbodenniveau ansetzen, den Raum überspannen und gliedern. Dem Besucher öffnet sich ein unverstellter Blick auf Chor und Tabernakelstele (ehemals Hochaltar), die – ebenso wie die darunterliegende Kapelle – von einer modernen Variante des Netz-/Sterngewölbes überfangen werden.

Ursprünglich verfügte die Kirche über zwei Bankblöcke, die um 2005 durch eine mobile Bestuhlung ersetzt wurden. Der Chor ist um zehn Stufen (und eine weitere zum Tabernakel) erhöht, welche die Turmform aufgreifen und somit die angeschnittenen Außenwände fortführen. Unter der im Osten gegenüberliegenden Orgelempore steht mittig der Taufstein.

Liturgie und Raum
Licht und Liturgie in St. Bonifatius

Für die Doppelfunktion als Pfarr- und Gedächtniskirche schuf Weber zwei logische Einheiten: Die Unterkirche erinnerte mit einer Kapelle an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Die mächtige Spitzbogenhalle dagegen war dem Gemeindegottesdienst vorbehalten. Ursprünglich hob der Architekt den Altar und Chorbereich durch Farbe, Licht und Raumgliederung hervor.

Diesen Gedanken betonte zusätzlich die Orgel, die zur Bauzeit seitlich über dem Altar angeordnet war. Nach Aussagen von Martin Weber sollte der Gang vom Hauptportal zum Altar auch den Aufstieg vom dunklen Diesseits in ein strahlendes, wie durch ein Lichtbaldachin überhöhtes Jenseits versinnbildlichen.

Seit 2005 ist St. Bonifatius Heimstatt der „Jugendkirche Jona“. Für die alle 14 Tage angesetzten Jugendgottesdienste wurde ein neuer Altar in die Mitte der Kirche gesetzt. 2014 erhielt die Kirche zudem ein variables Beleuchtungskonzept, das den Innenraum farbig, kalt- oder warmweiß inszenieren kann.

Ausstattung

Über dem Haupteingang findet sich eine Skulptur des Namenspatrons St. Bonifatius. Sie wurde vom Bildhauer Arnold Hensler (1891-1935) gefertigt, der Weber bei mehreren seiner Frankfurter Kirchen unterstützte. Die Figur zeigt Bonifatius als jungen Missionar, was der Idee einer Gedenk- und Jubiläumskirche zum ersten Auftreten des Heiligen entspricht.

Die Figuren der später beräumten Nebenaltäre, von denen heute wieder die Madonna über den Altarstufen zu sehen ist, stammen vom Frankfurter Bildhauer Johann Belz (1873-1957).

Hauptaltar, Tabernakel, die kleinen Altarleuchter und die an einer Kette aus dem Turm herabhängende Ampel für das Ewige Licht entwarf Martin Weber selbst. Dabei bediente er sich einer schlichten Formensprache, die der modernen Anmutung seiner Architektur entsprach.

Die ursprüngliche Orgel, seitlich über dem Altar angeordnet, wurde 1994 durch eine raumgreifende Orgel auf der Empore ersetzt. In der Kapelle wurde 1973 eine farbige Fenstergestaltung des Malers Joachim Pick ergänzt. Mit der Nutzungserweiterung zur Jugendkirche schuf der Niederbreitbacher Bildhauer Hans Rams um 2005 das neue Ensemble aus Ambo, Sedilien und zentralem Altar.

Baugeschichte
Historische Aufnahme St. Bonifatius 1922

Die ersten Planungen zu St. Bonifatius reichen ins Jahr 1897 zurück. Die katholische Gemeinde im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen wollte ihrem Platzmangel mit einem Neubau abhelfen. Ein eigens gegründeter Kirchenbauverein verständigte sich mit dem Paderborner Bonifatiusverein, zum 1200-jährigen Jubiläum des ersten Auftretens des „Apostels der Deutschen“ 1916 eine Kirche zu errichten.

Durch den Ersten Weltkrieg verschob sich das Projekt immer wieder, bis 1925 endlich ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde. Das Preisgericht entschied sich für einen Entwurf Martin Webers; mit dem 2. Preis wurde Hans Herkommer, mit dem 3. die Gemeinschaft Huch und Grefges ausgezeichnet.

Ausgeführt wurde eine Kombination von Webers Siegerentwurf und einer Alternativplanung mit sechseckigem Turm. Der Grundstein wurde am 27. Juni 1926 gelegt, am 7. August 1927 die Weihe begangen. Nachdem man bis 1948 Kriegsschäden beseitigt hatte, erfuhr vor allem das Innere zahlreiche Eingriffe – von der nachkonziliaren Neuordnung des Altarraums in den späten 1960er Jahren bis zur Renovierung von 1987.

Architekt: Martin Weber
Historische Postkarte St. Bonifatius

St. Bonifatius war der erste große Kirchenbau Martin Webers, der im zeitgenössischen Frankfurt polarisierte. Während diverse Fachkollegen Webers moderne Ansätze lobten, störten sich Kritiker an den „unwürdigen“ Baustoffen Eisenbeton und Klinker. Diese Debatte verhalf Weber zu überregionaler Bekanntheit.

Der 1890 in Frankfurt am Main geborene Weber absolvierte eine handwerkliche Ausbildung und besuchte anschließend die Bau- und Kunstgewerbeschule in Offenbach. Von 1914 bis 1915 arbeitete er für Friedrich Pützer in Darmstadt und für Dominikus Böhm in Offenbach. Nach dem Kriegsdienst zog sich Weber von 1919 bis 1921 als Oblate ins Kloster Maria Laach zurück.

1925 machte sich Weber in Frankfurt selbstständig. Nach St. Bonifatius schuf er vor allem katholische Kirchenbauten in seiner Heimatstadt. Einige davon waren Teil der Siedlungen des Neuen Frankfurt unter Stadtbaurat Ernst May. Der Architekt ging bei seinen Kirchen stets vom Altar als Mittelpunkt aus. 1941 verstarb Martin Weber im Alter von 50 Jahren.

Textautor bis hierher: Julius C. Rheinsberg, M.A. (Straße der Moderne).

Eine neue Beleuchtung (2013)
Neue Beleuchtung im Kirchenraum St. Bonifatius mit Altar

Im Jahr 2013 wurde unter Pfarrer Werner Otto eine neue Beleuchtung im Kirchenraum installiert. Das von Herbert Cybulska erstellte Beleuchtungskonzept versucht, durch eine aufeinander abgestimmte Komposition aus Nischen- und Säulenbeleuchtung in Verbindung der eigens dafür erstellten rautenförmigen Deckenbeleuchtungskörper die von Martin Weber erdachte Zeltform des Kirchenbaus zum Vorschein zu bringen.

Digitaler Kirchenführer

Klicken Sie auf eines der Bilder, um mehr über die Kunstwerke und Besonderheiten der Raumgestaltung zu erfahren.

Die Orgel

Die heutige raumgreifende Orgel von 1994 ersetzte das ursprüngliche Instrument seitlich über dem Altar. Sie steht auf der dem Chor gegenüberliegenden Empore und prägt den Klang der Pfarrkirche.

Mehr zur Orgel erfahren

Häufige Fragen zur Pfarrkirche

Was Besucherinnen und Besucher wissen wollen.

Wann ist die Pfarrkirche St. Bonifatius geöffnet?

Die Pfarrkirche ist täglich für Besucher und zum Gebet geöffnet. Genaue Öffnungszeiten und den aktuellen Gottesdienstplan finden Sie über das Pfarrbüro oder auf der Kirchort-Seite St. Bonifatius.

Wer war Martin Weber, der Architekt der Kirche?

Martin Weber (1890–1941) war ein in Frankfurt geborener Architekt, der sich besonders auf Kirchenbauten spezialisierte. St. Bonifatius war 1925/26 sein erster großer Kirchenbau in Frankfurt und begründete seinen Ruf als bedeutender Vertreter des Backsteinexpressionismus. Weitere Details finden Sie im Abschnitt „Architekt: Martin Weber“.

Was ist Backsteinexpressionismus?

Backsteinexpressionismus ist eine Bauströmung der 1920er Jahre in Deutschland, die Eisenbeton-Konstruktionen mit Klinker-Verblendung und expressiver, oft gotisch inspirierter Formensprache kombiniert. St. Bonifatius ist eines der bedeutendsten Beispiele in Frankfurt.

Ist die Kirche barrierefrei zugänglich?

Die Kirche ist über eine ausklappbare Rampe und einen Plattformlift am Eingang Thorwaldsenstraße erreichbar. Detaillierte Informationen zur Barrierefreiheit finden Sie auf unserer Barrierefreiheits-Seite.

Was ist die Jugendkirche JONA?

Seit 2005 ist St. Bonifatius auch Heimstatt der Katholischen Jugendkirche JONA. Sie wurde von Pfarrer Dr. Werner Otto gegründet und richtet sich besonders an junge Menschen. Für die alle 14 Tage angesetzten Jugendgottesdienste wurde ein neuer Altar in die Mitte der Kirche gesetzt.

Besuch & Kontakt

Pfarrkirche St. Bonifatius Holbeinstraße 70 · 60596 Frankfurt am Main
Tel.: 069 695975-850
info@sanktbonifatius.de

Besuchen Sie St. Bonifatius und erleben Sie die Vielfalt und Lebendigkeit dieser besonderen Gemeinde.